Die Buckelwale

Bei einer Walbeobachtungstour auf der Insel Sainte Marie kann man eines der beeindruckendsten Naturschauspiele der Welt erleben.

Die Buckelwale werden mit wissenschaftlichen Namen "Megaptera novaeangliae" genannt und gehören zu den Barten-und Furchenwalen. Der Name "Megaptera" bedeutet „große Flügel“ und bezieht sich auf die überdimensional großen Brustflossen. Die Buckelwale zählen zur Familie der Cetacea und gehören mit einer Länge von 12 bis 16 m und einem Gewicht von bis zu 40 t zu den größten Vertretern. Im Vergleich zu den Blauwalen, die mit 150 t zu den größten Merressäugetieren gehören, sind die Buckelwale somit von mittlerer Größe.

Die Vordergliedmaßen der Buckelwale sind zu langen Flossen umgebildet. Markant sind die knotigen Hautverdickungen an den Flossen und am Kopf. Die Oberseite des massiven Körpers ist schwarz gefärbt, während die Unterseite eher eine weißlich blasse Farbe zeigt. Bei ihren Sprüngen zeigen die Wale ihre schwarz-weiße Schwanzflosse. Die Buckelwale leben in allen Ozeanen. Vor Einbruch des Winters ziehen sie in wärmere Gebiete und kehren im Frühjahr in die kühleren Gegenden zurück. Dabei legen sie Strecken von bis zu 10000 km durch den offenen Ozean zurück und treffen im September im Indischen Ozean ein. Madagaskar bietet mit der geschützten Bucht von Atongil bei Sainte Marie die besten Voraussetzungen für ein Treffen mit diesen riesigen Meeressäugern.

Während des Sommers fressen sich die Wale ihre Fettreserven an. Sie ernähren sich von Krill und kleineren Fischen und fressen während ihres Aufenthaltes in den kalten Gewässern der Antarktis 1 bis 2 t pro Tag. Um ihre Beute zu fangen, entwickelten die Buckelwale eine eigene Fangtechnik. Zwei Mitglieder der Gruppe tauchen ab und erzeugen einen Vorhang aus kleinen Luftblasen. Die Fische werden darin eingeschlossen und können von den Walen dadurch leicht gefangen werden. Sie können aber auch Fische direkt angreifen. Von Juli bis Oktober kommen die Buckelwale in das kalte Wasser des Indischen Ozeans, um ihre Babys auf die Welt zu bringen. Die Ankunft der Buckelwale wird auf Sainte Marie mit dem Festival der Wale bejubelt. Die einheimischen Bewohner verehren die Buckelwale und halten sie für "fady". Bereits mit dem Finger auf einen Wal zu zeigen, ist tabu und wird für unhöflich gehalten. Die Buckelwale werden „Zanaharibe“ oder „der große Gott“ genannt.

Jedes Jahr von Juli bis Oktober ereignet sich im Indischen Ozean ein unvergleichliches Naturschauspiel. Wer es einmal erlebt hat, wird den Anblick sowie den Gesang und die Zärtlichkeit dieser faszinierenden Säugetiere nie vergessen.

Wale kommunizieren untereinander mittels ihrer Sprünge, Rufe und Flossenbewegungen. Sie markieren so ihr Territorium, warnen ihre Artgenossen und machen ihren Liebsten den Hof. Die atemberaubende Choreographie zieht jeden Zuschauer unweigerlich in ihren Bann.

Wie alle Säugetiere sind Wale Luftatmer und müssen daher regelmäßig an die Wasseroberfläche kommen, um ihre Lungen mit Luft zu füllen. Beim Ausatmen kondensiert die Feuchtigkeit der Atemluft und somit stößt der Wal bei jedem Atemzug eine meterhohe Fontäne aus.

Seinen Namen verdankt der Buckelwal dem gewölbten Rücken, den er beim Abtauchen bildet. Der Gesang der Buckelwale gehört während der Brutsaison zu den außergewöhnlichsten akustischen Phänomenen im Ozean. Es wird vermutet, dass nur die männlichen Buckelwale und auch nur während der Paarungszeit singen. Die oft wiederholten Gesänge zeichnen sich durch ihre identischen Tonfolgen aus. Mit jeder Saison variiert der Gesang ein wenig, sodass sich die Melodie innerhalb einiger Jahre vollständig verändert. Das menschliche Ohr kann die tiefen Frequenzen der Gesänge nicht wahrnehmen. Die Wale hingegen können sich so über mehrere Tausend Kilometer verständigen. Der Gesang ist für jede Walart spezifisch. Wale haben keine Stimmbänder und es ist noch nicht geklärt, wie die Meeressäuger dennoch Töne erzeugen können.

Bei den Buckelwalen beträgt die Tragzeit ca. 12 Monate, wobei ein Weibchen alle zwei Jahre ein Junges auf die Welt bringt. Sie sind bei der Geburt etwa 4 bis 4,5 m lang und wiegen bereits 700 kg bis 2 t. In den folgenden 5 bis 7 Monaten bekommt ein junger Wal täglich etwa 30 bis 50 kg der nahrhaften und fettreichen Muttermilch, die ein schnelles Wachstum garantiert. Innerhalb von ca. 8 Monaten erreicht das Junge die doppelte Geburtsgröße und sein Gewicht verfünffacht sich. Die Geschlechtsreife erlangen Buckelwale mit etwa 5 - 8 Jahren und erreichen eine Lebenserwartung von etwa 30 bis 40 Jahre. Mit einem Gesamtbestand von 5000 bis 7000 Tieren gelten die Buckelwale als akut bedroht.

Neben Sainte Marie sind Maroantsetra, südlich von Anakao, und Kap Sainte Marie von Juni bis Oktober weitere Plätze, an denen diese faszinierenden Meeressäuger beobachtet werden können.

Autor: Nary Andriarimalala