Baobab und andere Bäume Madagaskars

Aufgrund der Abtrennung Madagaskars vom Urkontinent Gondwanaland vor ca. 150 Millionen Jahren erfolgte eine weitere unabhängige Entwicklung der Flora und Fauna Madagaskars. Die Flora Madagaskars umfasst daher viele endemische Arten. So wachsen über 75% der in Madagaskar vorkommenden Pflanzenarten ausschließlich hier.

Einer der faszinierendsten Bäume der Insel ist der Baobab. In der einheimischen Sprache heißt Baobab „Reniala“, was

„Mutter des Waldes“

bedeutet. Diese Bezeichnung ist nicht nur auf die Größe des Baumes sondern auch auf sein Alter zurückzuführen. Ein Baobab kann tausend Jahre alt werden und laut manchen Wissenschaftlern sogar mehrere Tausend. Weltweit gibt es acht Baobabarten. Sieben davon sind in Madagaskar zu sehen und sechs davon kommen nur in Madagaskar vor: Adansonia grandidieri, Adansonia za, Adansonia rubrostipa, Adansonia madagascariensis, Adansonia perieri, Adansonia suarezensis. Nur Adansonia digitata wächst sowohl in Madagaskar als auch in Ostafrika. Adansonia gibbosa findet man nur in Australien. Das Verbreitungsgebiet der Gattung Adansonia, das mehrere Kontinente umspannt, lässt auf eine ehemalige Landverbindung zwischen Afrika, Madagaskar und Australien schließen.

Der Baobab ist eine Pflanzenart der Gattung der Affenbrotbäume (Adansonia) der Unterfamilie der Wollbaumgewächse (Bombacoideae). In der neueren Systematik zählt der Baobab jedoch zu den Malven (Malvaceae). Baobabs sind Stammsukkulenten, das heißt, sie speichern Wasser in ihrem Stamm . Sie liefern kein starkes Holz, da ihre Stämme wegen der Wassereinlagerungen sehr fasrig sind. Der Umfang eines Baobabs kann bis zu 30 m und der Durchmesser bis zu 9 m messen. So sind z. B. die Baobabs in der Nähe von Andavadoaka für ihre dicken Stämme bekannt. Im Laufe der Evolution hat dieser fantastische Baum die Fähigkeit entwickelt, in trockenen Gebieten zu überleben, zu viel Feuchtigkeit ist für den Baobab sogar schädlich. Aus diesem Grund sind die Baobabs von Morondava bedroht, denn wegen des Reisanbaus in unmittelbarer Nähe ist das Gebiet für die Baobabs zu feucht geworden. Einige Baobabs dieser Gegend sind dieser neuen Bedingung schon zum Opfer gefallen.

Um den Wasserverlust einzuschränken, tragen Baobabs ihre Blätter nur während einer kurzen Zeitspanne. Während der Trockenzeit werden die Blätter dann abgeworfen. Die Blüten der Baobabs präsentieren sich in den verschiedensten Farben. Sie variieren von weiß über gelb bis hin zu dunkelrot. Die Blütezeit ist artenabhängig. Die Blüten werden größtenteils von Fledermäusen und Flughunden bestäubt. Die Baobabfrüchte, mit einer Länge von 40 cm und einem Durchmesser von 15 cm, können ein Dutzend Samen beinhalten. Die Früchte, die reich an Vitaminen sind, werden von der einheimischen Bevölkerung gegessen.

Eine der meist fotografierten Landschaften Madagaskars ist zweifelsfrei die Baobab-Allee. Sie liegt nördlich der Stadt Morondava. Dort sieht man die endemische Art Adansonia grandidieri. In Toliary und Umgebung sind drei Arten heimisch (Adansonia rubrostipa, Adansonia za, Adansonia madagascariensis) und in Mahajanga findet man nur die Art Adansonia digitata. Für den Norden sind die beiden Arten Adansonia suarezensis, Adansonia perrieri typisch.

Während die "Wurzeln des Himmels“, eine weitere Bezeichnung für die Baobabs, den trockenen nördlichen, südlichen und westlichen Teil des Landes erobert haben, herrscht im Hochland und in der regenreichen Region Madagaskars der Baum der Reisenden vor. Die Ravinala (Ravenala madagascariensis) oder auch das „Blatt des Waldes“ ist eine aus Madagaskar stammende Art. Sie wird heute jedoch in allen tropischen und subtropischen Gebieten als Zierbaum angepflanzt. Irrtümlicherweise wurde sie wegen der Ähnlichkeit ihrer Blätter zu den Bananengewächsen gezählt. Oft wird er fälschlich auch als Fächerpalme bezeichnet. Der Baum der Reisenden gehört aber zu den Strelitzien. Er findet vielseitige praktische Verwendung. Aus den starken Blattstielen werden die Wände der Hütten gebaut und mit den Blättern werden Dächer gedeckt. Im Stielansatz wird Wasser gespeichert und das große Blatt kann als Regenschirm verwendet werden. Daher wird die Ravinala auch „Baum der Reisenden“ genannt.

Da Ravinalas relativ schnell wachsen und feuerresistent sind, sind sie trotz der weiträumigen Zerstörung ihres Lebensraums durch Abholzung und Brandrodung noch häufig anzutreffen. Die Nationalstraße 2 im Osten der Insel führt entlang eines Ravinalawaldes, der den ursprünglichen Regenwald ersetzt hat. Der Baum der Reisenden ist auch das Wahrzeichen unserer nationalen Fluggesellschaft.

Die Palmenwelt Madagaskars ist durch eine hohe Endemismusrate gekennzeichnet. So sind von den ca. 120 registrierten Palmarten über 80% endemisch. Die bekanntesten Arten sind: Dypsis acuminum, Dypsis baronii, Dypsis occidentalis, Dypsis onilahensis, Dypsis lokohoensis, Dypsis perrieri, Dypsis decaryi, Dypsis lutescens, Dypsis bonsai und Dypsis pumila. Jede Vegetationszone Madagaskars beherbergt ihre eigenen Palmarten. Der trockene Westen ist der Lebensraum der Bismarckpalme (Bismarckia nobilis), die nach dem preußischen Kanzler Otto von Bismarck benannt wurde. Mit ihren breiten Blättern gehört diese Art zu den Fächerpalmen. Die klimatische Übergangszone in der Nähe des Andohaela Nationalparks ist die Heimat der dort endemischen Dreieckspalme (Dypsis decaryi). Der Nationalpark Marojejy im Norden Madagaskars ist bekannt für die endemisch vorkommende Zwergpalme (Marojejya insignis).

Die Flora Madagaskars ist reich an Arzneipflanzen. Erwähnenswert ist die zu den Rutaceae gehörende Katrafay (Cedrelopsis grevei). Sie wächst zu einem 12 bis 15 m hohen Baum heran und kommt in den trocken Gebieten des Südens und Südwestens Madagaskars vor. Aus der Rinde wird ein Tee gekocht, der gegen Müdigkeit hilft. Aus den Blättern werden Essenzen gewonnen, die in Duschlotionen erfrischend wirken. Auszügen sowohl aus den Blättern als auch aus der Rinde werden libido- und potenzsteigernde Wirkungen zugeschrieben. Das weiße Holz der Katrafay wird in der modernen Möbelindustrie verwendet.

Zu den Edelhölzern Madagaskars zählen ca. 40 Palisanderarten, von denen nur eine als endemisch bezeichnet werden kann. Die Palisanderbäume sind der Gattung Dalberia zuzuordnen. Ihre Nutzung ist einer strengen gesetzlichen Regelung unterworfen. Der einheimischen Bevölkerung, die teilweise Palsisanderholz als Brennholz zum Kochen verwendet, versucht man durch vermehrte Aufklärung den Umweltschutzgedanken näher zu bringen. Die Ausfuhr von Edelhölzern ist gesetzlich untersagt und auch das europäische Gesetz unterstützt diese Maßnahme. Leider wird jedoch immer noch illegal der Handel mit Edelhölzern betrieben. So wurden während der politischen Unruhen im Jahr 2009 tonnenweise Rosenhölzer aus Madagaskar nach China gebracht.

Madagaskar ist nicht nur für Liebhaber der Botanik sondern auch für die der Zoologie ein Paradies. So zählen Wissenschaftler Madagaskar zu den Ländern mit der höchsten Biodiversität. Diese hohe Biodiversität ist akut gefährdet und bedarf daher eines effektiven Schutzes, einerseits durch die internationale Gemeinschaft und andererseits durch die verstärkte Bewusstseinsbildung der einheimischen Bevölkerung.

 

Autor: Nary Andriarimalala