Die blühenden Pflanzen Madagaskars

Das Reichtum der madagassischen Biodiversität zeigt sich auch in der Vielfalt der Flora mit ihren vielen endemischen Arten. Einen enormen Artenreichtum weisen dabei die Blütenpflanzen auf.

Die Orchideen Madagaskars

Neben den Gräsern und den Kaffeegewächsen gehören die Orchideen mit ca. tausend registrierten Arten zur größten Pflanzenfamilie Madagaskars. Ca. 90% der Orchideenarten sind endemisch. Jede der verschiedenen Vegetationszonen beherbergt ihre eigenen Arten, die in ihren Farbtönen, Größen und Lebensweisen variieren können. Um Ihnen die Vielfalt zu verdeutlichen, bieten wir im Folgenden eine virtuelle Reise zu den schönsten Orchideen Madagaskars. Lassen Sie sich vom Reiz des Hanitriniala „des Duft des Waldes“ einfangen.

Zu den Orchideenarten mit großen prachtvollen Blüten gehört der endemische „Stern von Madagaskar“, der vor allem in den Sandküstenwäldern sowohl terrestrisch als auch epiphytisch wächst. Mit wissenschaftlichem Namen heißt er Angraecum sesquipedale. Das Wort sesquipedale bedeutet 1,5 Fuß, was sich auf den bis zu 45 cm langen Sporn bezieht. Zur Zeit Darwins war der Vorgang der Bestäubung dieser Orchideenart noch nicht bekannt. Die Zeitgenossen Darwins bezweifelten dessen Theorie von einem Schwärmer, dessen Rüssel mindestens 30 cm lang sei. Nach dem Tod Darwins entdeckte man jedoch den Schwärmer: Xanthopan morgani praedicta. Während der Blütezeit von Juni bis November verströmen die reinweißen Blüten mit Einbruch der Dunkelheit einen zarten Duft. Angraecum sesquipedale wächst oft in der gleichen Region mit einem anderen Sandküstenwaldbewohner, namens Angraecum eburneum und bleibt relativ standortstreu und ist daher stark von der Waldzerstörung betroffen. Die Angraecum eburneum blüht in der Trockenzeit von Juli bis September und im Gegensatz zur Angraecum sesquipedale, blüht diese auch in Häusern wenn man sie anpflanzt.

Zu den bekannten Bodenorchideen zählen die Gattungen Disperis, Calanthe und Cynorkis. Die Gattung Disperis umfasst zierliche Bodenorchideen, die nur 15 cm bis 30 cm groß werden. Von dieser Gattung gibt es auf Madagaskar ca. 22 Arten. Wörtlich bedeutet Disperis „zwei Taschen“, was sich auf die beiden gegenüberstehenden Blätter bezieht. Die Farbe der Blüte variiert von Weiß bis Rosa und Violett. Das Verbreitungsgebiet der Gattung Disperis erstreckt sich von Ambositra und Andringitra über das Gebirge von Tsaratanana bis Sambirano. Die am häufigsten vorkommenden Arten sind: Disperis trilineata, Disperis similis, Disperis tripetaloïdes, Disperis erucifera und Disperis hildebrantii. Die Art Disperis similis findet man im Gebiet des Zentralplateaus, während Disperis trilineata eher im Norden in der Region von Sambirano heimisch ist. Die Art Disperis tripetaloïdes wächst in der Gegend von Bemaraha und Taolagnaro.

Einige Orchideenarten sind an ihre Umgebung derart angepasst, dass sie außerhalb ihres Lebensraumes nicht überleben können. So findet man beispielsweise die xerophile Art Solenangis aphylla nur im Gebiet des Küstenwaldes. Diese eher im niederschlagsarmen Trockenwald anzutreffende Orchidee gehört zu den aphyllen Arten. Die blattlose Orchidee mit den kleinen und unscheinbaren Blüten zeichnet sich durch die stark entwickelte Wurzelmasse aus, die sowohl die Funktion der Photosynthese als auch die der Nährstoffaufnahme übernimmt.

Viele Orchideen sind auf ihre Wirtspflanze spezialisiert. In der niederschlagsreichen Region von Maroantsetra sitzt auf einer bestimmten Palmeart ( Vohinitra utilis) eine bestimmte Orchidee (Eulophiella elisabethae) und im Küstenwald vom Palmarium in Akanin’ny Nofy wächst die Art Cymbidiella humbloti in den Blattscheiden der Bastpalme (Raphia ruffia). Man nennt sie wegen ihrer dekorativen schönen schwarzen Blüten „die schwarze Orchidee“. Ob es sich bei der Vergesellschaftung um eine Symbiose handelt oder ob diese Orchideen ohne ihre Wirtspflanzen leben könnten, ist nicht geklärt. Am Ufer des Kanals von Pangalane und in der Philippia- bzw. Erikaheide wächst die nach Vanille riechende Art Cymbidiella flabellata.

Die Kleine Insel „Ile aux nattes“ an der Südspitze von Sainte Marie bietet der Königin der Orchideen einen Lebensraum. Die große Orchideenart mit ihren im Oktober erblühenden lila Blüten wächst spezifisch auf einer Schraubenpalme (Pandanus utilis) und kann daher nicht in Wohnhäusern überleben. Ihr Blütenstand kann über 1 m groß werden. Da ihre Blätter denen ihrer Wirtspflanze ähnlich sind, wird die Orchidee erst sichtbar, wenn sich die großen Blüten von den Blättern abheben. Sollten sie im Oktober in Madagaskar sein, sollten sie sich die Chance, die schönste Orchidee der Insel bewundern zu können, nicht entgehen lassen.

Sowohl in den feuchten als auch in den trockenen Gebieten Madagaskars gedeiht die Vanille. Die bekannteste Art ist Vanilla planifolia. Nirgendwo auf der Erde wird Vanille in diesen Mengen kultiviert wie im nordöstlichen Küstengebiet Madagaskars: Sambava, Antalaha, Andapa und Vohemar. Die Wildvanille Vanilla decaryana blüht im September im Kirindy-Wald.

Arten Blütezeit
Angraecum eburneum Juli-September
Angraecum sesquipedale Juni-November
Cymbidiella flabellata Dezember-Januar
Cymbidiella humboltii November-Dezember
Cynorkis gibbosa September März
Eulophiella roempleriana Oktober
Vanilla decaryana September

Das Madagaskar Immergrün

 

Diese Gattung der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae) umfasst ca. fünf Arten. Erkennbar sind sie an den fünfzipfeligen Blüten, deren Farbe von Weiß über Rosa bis zu Violett variiert. Sie gehören zu den Pflanzen, die fast das ganze Jahr über blühen. Die einheimische Bevölkerung macht sich die pharmazeutischen Eigenschaften dieser Pflanze zunutze. So werden sie gegen Diabetes und hohen Blutdruck eingesetzt. Generell ist das madagassische Immergrün sehr anpassungsfähig, weshalb die Arten weit verbreitet sind. Im Trockengebiet wird die Art Catharantus roseus angepflanzt und für die europäische pharmazeutische Industrie exportiert. Zwei aus dieser Pflanze extrahierte Alkaloide, Vinblastin und Vincristin, werden in der Krebsbehandlung eingesetzt. In Europa wird das Madagaskar Immergrün mittlerweile als Zierpflanze genutzt. Eigentlich zählt es zu den Giftpflanzen, ihr Giftgehalt ist jedoch sehr gering. Weitere Arten des Madagaskar Immergrün sind: Catharantus lanceus, Catharantus longifolius, Catharantus ovalis und Catharantus scitillus.

Auf Madagaskar wächst neben den vielen Blütenpflanzen auch eine Vielzahl an Bäumen. Einige Arten sind endemisch wie zum Beispiel der Flammenbaum (Delonix regia), der während der Regenzeit blüht. Im Oktober und November ist in den Nationalparks von Ranomafana und Andasibe die zu den Schwarzmundgewächsen (Melastomaceae) gehörende Art Dichaetanthera mit ihren auffallenden lila Blüten nicht zu übersehen. Dann kann man auf ihren Blättern auch den für Madagaskar endemische Blattroller (Trachelophorus aprodeus) beobachten. Wegen seines langen Halses, der eigentlich eine Verlängerung des Kopfes ist, wird er auch Giraffenhalskäfer genannt. Im Oktober am Ende ihrer Blütezeit sorgen die Jacarandabäume für einen lila Teppich auf dem See von Anosy bei Antananarivo. Ursprünglich stammt dieser Baum aus Südamerika, so bedeutet sein Name in der brasilianischen Sprache auch „Baum“.

Folgende Baumarten stechen mit ihren bunten und prachtvollen Blüten hervor: Megistostegius perrieri oder die „Rose des Südens“ blüht in wunderschönem Rot, die Hildegardia ankarensis, die man im Ankarana-Gebirge findet, in leuchtendem Orange, die Hildegardia erythrosiphon und Rhodocolea nobilis wiederum in Rot-Gelb.

Autor: Nary Andriarimalala