Sukkulenten

Sukkulenten sind wasserspeichernde Pflanzen. Ihr Verbreitungsraum umfasst vier Vegetationszonen: die Inselberge des Zentralplateaus, die Nordspitze Madagaskars, den semi-ariden Westen und den Süden. Diese Gebiete sind durch geringe Niederschlagsmengen und lange Trockenzeiten gekennzeichnet. An den Steilwänden des Windsor Castle in Antsiranana, in den Tsingys von Ankarana und Bemaraha, im Itremo-und Isalogebirge, in der Androy Landschaft oder in der „Domaine du Sud“ hat sich eine einzigartige Vegetation entwickelt. Ihre Hauptmerkmale lassen sich in den folgenden vier Punkten zusammenfassen: reduzierte Vegetationszeiten und Belaubung, Ausbildung von Dornen und wasserspeichernden Geweben. Sie sind so an extrem trockene Standorte angepasst. Es kann zwischen Blattsukkulenten und Stammsukkulenten unterschieden werden. Zu den bekanntesten Vertretern dieser Gruppe zählen die Chalankoen, die Euphorbien, die Didieraceaen, die Aloen und die Pachypodien.

Die Pachypodien Madagaskars

Pachypodien gehören zu den Hundsgiftgewächsen den Apocynaceae. Das Wort Pachypodium ist eine Zusammensetzung der Wörter pachy, das „dick“ und podium, das „Fuß“ bedeutet. Pachypodien sind also Dickfußpflanzen. Neben Baobabs und Moringa oder Mehlsackbäume sind die Pachypodien die häufigsten Vertreter der Stammsukkulenten. Die Madagaskarpalme (Pachypodium lamerei) ist in Deutschland auch als Topfpflanze erhältlich. Pachypodium rutenbergianum wurde im 19. Jahrhundert erstmals von dem deutschen Botaniker Rutenberg beschrieben. Während die afrikanischen Arten nur reinweiße und weiß-rot gestreifte Blüten ausbilden, weisen die madagassischen Arten eine wesentlich breitere Palette ihrer Blütenfarben auf. Die Blütenfarben sind regional verschieden. Die weißblühenden Arten sind in der westlichen Region Madagaskars zu Hause. Die irrtümlich als Zwergbaobab benannten knolligen und kleinwüchsigen Pachypodien Pachypodium horombense, Pachypodium rosulatum, Pachypodium densiflorum und Pachypodium brevicaule sind durch ihre gelben Blüten gekennzeichnet. Sie wachsen fast nur im Gebiet des Zentralplateaus. Eine dritte Gruppe kommt aus der niederschlagsarmen Gegend von der Nordspitze Madagaskars. Zwei Pachypodien dieser Region haben rote Blüten: Pachypodium windsori und Pachypodium baroni.

Die Aloen Madagaskars

Mit ca. 300 Arten sind die Aloen über den gesamten afrikanischen Kontinent verbreitet, ausgenommen die Sahara und Nordafrika,. Madagaskar bietet ca. 60 Aloearten eine Heimat. Eine weitere Aloenart wächst auf den Komoren. In Madagaskar verteilen sie sich auf drei Territorien. Die kleineren, rosettenbildenden und stammlosen Arten wachsen im Zentralgebiet. Vertreten ist diese Gruppe durch Aloe capitata, Aloe itremonsis und Aloe contingua. Die Art Aloe suarezensis, die man im Norden in der Nähe des Windsor Castle und des Berges der Franzosen findet, erreicht eine mittlere Größe. Die dritte strauch- bis baumförmige Gruppe wächst in den Strauchwäldern der Androy Landschaft. Diese stammbildenden Arten heben sich im Dornenbusch und Didieracaeenwald deutlich ab. Aloe vahombe wird von den Antandroy gern auch als Zierpflanze in ihren kleinen Gärten vor ihren Hütten angepflanzt. Andere Vertreter dieser Gruppe sind: Aloe voatsanda, Aloe divarigata und Aloe helenae. Die schöne Aloe suzannae, von der es nur mehr als 10 Individuen gibt, ist akut vom Aussterben bedroht. Aloen sind für ihre therapeutischen Eigenschaften bekannt. Die Arten Aloe macroclada und A. vahombe werden zur Behandlung von Nierensteinen und Magenbeschwerden verwendet.

Die Kalanchoen Madagaskars

Sie gehören zur Gruppe der Blattsukkulenten. In den fleischigen Blättern wird Wasser während der Regenzeit angesammelt und gespeichert. Die Kalanchoenarten sind durch ihre vegetative Fortpflanzungsform charakterisiert. Ihr größter Vertreter ist die endemische Chalanchoe beharensis. Sie kann bis zu drei Meter hoch werden. Wegen der Form ihres dicken Blattes nennt man diese Art auch „Napoleons Hut“. Kennzeichnend für diese Art ist der von Blattnarben überzogene Stamm. Auf dem Weg in das Berenty Privatreservat fährt man an einem einzeln stehenden „Napoleons Hut“ vorbei. Viele andere Chalankoearten gedeihen im trockenen Süden Madagaskars. Kalanchoe grandidieri, Kalanchoe arborescens, Kalanchoe. millotii, Kalanchoe tubiflora und Kalanchoe schizophylla sind die häufigsten Vertreter in diesem Teil des Landes.

Die Euphorbien Madagaskars

Die Euphorbien sind Wolfsmilchgewächse. Der Name ist auf den Leibarzt des Königs Juba von Mauretanien (50 v. Chr.), Euphorbos, zurückzuführen. Die madagassischen Euphorbien unterscheiden sich von den afrikanischen Wolfsmilchgewächsen durch das Fehlen von baumwüchsigen Vertretern. Um Wasser zu sparen, haben die Euphorbien der südlichen Region Madagaskars nur winzige Blätter. Vertreter dieser Gattung sind: Euphorbia leucadendron, Euphorbia laro, Euphorbia oncoclada und Euphorbia stenoclada. An der Nordspitze Madagaskars wächst eine endemische Euphorbiaart: Euphorbia ankarensis. Sie ist dort im Ankarana-Gebirge heimisch und ähnelt dem Christusdorn (Euphorbia millii). Im Gegensatz zu den oben erwähnten Euphorbien verzichtet die Art Euphorbia antso auf eine reduzierte Belaubung.

Die Didieraceaen Madagaskars

Diese Familie wurde von dem französischen Botaniker Alfred Grandidier erstmals beschrieben. Vor der Entdeckung einer ähnlichen Gattung auf dem afrikanischen Kontinent galt die gesamte Familie mit vier Gattungen und 11 Arten lange Zeit als für Madagaskar endemisch. Die Androy Landschaft des Südens ist der ausschließliche Standort dieser faszinierenden und einzigartigen Pflanzen. Eine Nachtwanderung durch den Didieracaeenwald des Privatreservats von Berenty zählt sicher zu den beeindruckendsten Erlebnissen einer Madagaskarreise. Der Volksstamm der Antandroy nutzt zwei Arten für den Bau seiner Hütten: Alluaudia procera und Alluaudia ascendens. Weitere bekannten Vertreter dieser Familie sind: Didiera trolli, Didiera madagascariensis und Decarya madagascariensis.

 

Autor: Nary Andriarimalala