Ambositra

Hauptstadt der Holzschnitzerei

Ambositra ist eine Stadt des Zentralhochlands Madagaskars, das von den Stämmen der Imerina und Betsileo besiedelt wird. Die Gemeinde von Ambositra ist die Hauptstadt der Region von Amoron’i Mania und liegt südöstlich der alten Provinz von Fianarantsoa.

Diese kleine Stadt spielt eine bedeutende Rolle in der Handwerkskunst. Sie wird als die Hauptstadt der madagassischen Holzschnitzerei betrachtet. Die Kunst der Holzschnitzerei wurde ursprünglich von dem Volkstamm der Zafimaniry beherrscht. Diese Minderheitsgruppe unter den Betsileo hat ihre Hauptstadt in Antoetra, etwa eine Stunde von Ambositra entfernt. Manche Historiker behaupten, die Zafimaniry seien arabischen Ursprungs, da vergleichbare Holzschnitzmotive auf den Komoren anzutreffen sind. Die Holzschnitzerei ist in der Kultur dieser Bevölkerungsgruppe so stark verankert, dass sie fast ihre gesamten Holzgegenstände wie Haustür, Bienenstock, Hausfenster, Haussäule mit vielfältigen Motiven schnitzen. Das künstlerische Können der Zafimaniry ist vor einigen Jahren von der UNESCO als untastbares Erbe der Menschheit nominiert worden.

Während Ihrer Madagaskarreise bietet sich in Ambositra eine Gelegenheit hübsche Holzschnitzereien direkt an der Quelle zu kaufen. Neben den Holzgegenständen können Sie hier auch Souvenirs oder Gebrauchsgegenstände aus Zebuhörnern kaufen.

Viele Holzschnitzer versuchen den Zafimaniry-Stil mit umstrittenem Erfolg nachzuahmen. Dieses Können der Holzschnitzerei und Holzarbeit wird bei den Zafimaniry von einer Generation zur anderen vererbt. Im Laufe der Jahre hat sich ein typischer Zafimaniry-Stil mit besonderen Motiven und eigener Geometrie entwickelt. Die Bienenwabe als Motiv hat nicht nur eine ästhetische Funktion, sondern erinnert die Zafimaniry auch an die Wichtigkeit des Fleißes und des Zusammenhalts.

Wenn man die Gegend von Ambositra kennt, muss man sich fragen, wer den Zafimanirys das Holz für die Holzschnitzerei versorgt. An dieser Stelle muss man einen anderen madagassischen Volksstamm erwähnen. Die Tanala oder Waldbewohner leben im und vom Wald. Ein Teil des südöstlichen Regenwaldes ist jahrelang geschützt geblieben, weil die Tanala um seinen Erhalt gekämpft hatten. Die Zafimaniry-Künstler bekommen ihr Rohmaterial von den Tanala. In Ambositra lebt nun eine Kette von Holzlieferanten, Künstlern und Verkäufern, die von den Schnitzereien leben.

In der Altstadt von Ambositra sieht man noch die typischen alten Backsteinhäuser mit Balkonen. Der Markttag ist für die Bewohner ein bunter Tag. Die Frauen sowie die Männer bevorzugen starke und bunte Farben wie rosa, orange und gelb. Der Kontrast zwischen den roten Lehmhäusern und den grünen Reisfeldern ist in der Regenzeit besonders faszinierend.

Traditionelle Häuser und Reisfelder sind zwei typische Fotomotive bei den Betsileo, dem fleißigsten reisanbauenden Volkstamm Madagaskars. An vielen Stellen erinnern die Reisterrassen an ihre alten Vorfahren aus Südostasien. Die Menschen sind so fleißig, dass manchmal ein ganzer Berghang als Reisterrasse angelegt wird. Das Gesicht des Betsileolandes ist durch Lehmhäuser, Reisterrassen und Reisfelder geprägt. In der Trockenzeit werden früh am Morgen die Gipfel der umliegenden Berge von Nebel überdeckt.

Wie oben erwähnt, ist die Hauptstadt der Zafimaniry eine Stunde von Ambositra entfernt. In Antoetra gibt es einige echte Zafimaniry-Häuser aus Holz und Bambus. In der Nähe von Antoetra sind drei Dörfer zu besichtigen, wo die Bewohner beim Bau ihrer Häuser noch die alten Zafimaniry-Hausbauregeln respektieren. Wenn man solche Dörfer sieht, hat man den Eindruck, eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen. Die Zeit scheint hier stehengeblieben zu sein. Man kann das echte und alte Dekor an und in den Zafimaniry-Häusern bewundern.

Übernachten kann man in Antoetra entweder in einem einfachen lokalen Gasthaus oder bei Einheimischen, so dass man den Alltag dieses faszinierenden Volksstammes näher kennen lernen kann. Die Einheimischen können Ihnen auch das Dorf sowie einige Werkstätten zeigen, wo die Meister der Holzschnitzerei arbeiten. In Antoetra lässt sich der Kontakt mit den Einheimischen nicht vermeiden. Diese gastfreundlichen Zafimaniry werden Sie mit Freundlichkeit und ihrem weltbekannten Lächeln empfangen.

In Ambositra wird regelmäßig in der Trockenzeit die Totenumbettung oder Famadihana zelebriert. Das ist die Gelegenheit für die ganze Familie sich zu treffen. Bezahlte Musiker spielen die „ Hira Gasy“, um die Gäste zu unterhalten. Bekannt ist auch Ambositra für das sogenannte Savika oder Stierkampf. Diese Art von Torero wird unter den jungen Männern zugleich als Mutprobe und Mannwerdung praktiziert. Savika ist in Ambositra und Umgebung der Nationalsport.