Antsirabe

wo viel Salz ist

Antsirabe gehört zu dem Zentralhochland Madagaskars. 167 km von Antananarivo entfernt liegt Antsirabe mitten in einer vulkanischen Landschaft. Die Region von Vakinankaratra erhebt sich bis zu einer Höhe zwischen 1400m und 1500m.

Der Name Antsirabe stammt von drei zusammengesetzten Wörtern „ Any sira be“ ab, die „ Wo viel Salz ist“ bedeuten. Das Wort Salz bezieht sich auf die mineralienhaltigen Thermalquellen, wofür die Stadt Antsirabe bekannt ist.

Antsirabe ist eine schöne und saubere Stadt. Sie wird mit Recht für die sauberste Stadt Madagaskars gehalten. Die Gemeinde Antsirabe ist die erste Stadt Madagaskars, die die Mülltrennung in ihrer Müllentsorgungspolitik eingeführt hat. Große Avenues durchqueren die Stadt, Platanen- und Jacarandabäume spenden Schatten. Während ihrer Blütezeit im Oktober und November zeigt sich die Stadt mit einem besonders prächtigen Gesicht. Die Lilafarbe der Blüten steht mit der dominierten Orangefarbe der dortigen Rikschas in einem außergewöhnlichen Kontrast.

Im Gegensatz zu Antananarivo, wo die Abgase den Alltag unerträglich belasten, ist die Luft in Antsirabe wesentlich sauberer. Antsirabe nennt man weiterhin wegen der tausend und einen Rikschas die Rikschastadt. Sie sind das privilegierte Verkehrsmittel der Eiheimischen. Mit ca. 2000 von diesen umweltfreundlichen Verkehrsmitteln ist Antsirabe die Stadt, wo die Dichte an Rikschas am höchsten ist.

Eine Stadtrundfahrt lässt sich problemlos mit diesem sehr praktischen Verkehrsmittel durchführen. Gegen einen fast symbolischen Preis wird Sie eine Freude einfacher Art während der Fahrt begleiten. Der Rikschazieher, der zugleich als Ihr Guide fungieren kann, steht Ihnen auf Wunsch den ganzen Tag zur Verfügung.

Rikscha heißt für die Einheimischen „ Pousse pousse“. Dieser Ausdruck ist auf die Kolonialzeit zurückzuführen. Die britischen Missionare haben sie nach dem indischen Modell in Antananarivo eingeführt. Wegen des hügeligen Reliefs wurde eine Rikscha zur Kolonialzeit in Antananarivo von zwei Personen sowohl gezogen als auch geschoben. Der auf der Rikscha sitzende Missionar bzw. Kolonialist pflegte in schwierigen Situationen „ pousser, pousser“ zu schreien, was „ schieben, schieben“ bedeutet.

Neben Rikschastadt heißt Antsirabe auch Wasserstadt. Diese Benennung ist den zahlreichen Thermalquellen zu verdanken. In Antsirabe gibt es sieben solcher Quellen, darunter Ranomafana I und Ranomafana II, was warmes Wasser bedeutet; Ranovisy, das die madagassische Version von Vichy Wasser in Frankreich ist und die Quellen von Antsirakely und Sahatsiho. Mineralwasser von diesen Quellen steht schon seit einem Jahrhundert auf dem Markt. Eine der Mineralwassermarken von Antsirabe heißt „ Visy Gasy“, das wegen ihrer therapeutischen Eigenschaft viel getrunken ist. Aus diesen Gründen wurde die Stadt auf den Namen „ das madagassische Vichy“ getauft.

An Seen fehlt es in Antsirabe nicht. Die bekanntesten touristischen Seen sind Andraikiba und der geheimnisvolle Kratersee von Tritriva. Der See von Andraikiba liegt 7 Km von Antsirabe entfernt. Mit einem Umfang von 5 Km kann man leicht entlang des Sees auf den gut erschlossenen Pfaden spazieren gehen. Zur Kolonialzeit war der See ein wichtiger Ort für Wassersportler, die sich regelmäßig am See trafen. Diese Epoche hat vor Ort Spuren hinterlassen, wie Umkleidekabine und Sprungbrett, die man heute noch sieht.

Vorbei an Andraikiba auf einer Sandpiste lässt sich die Fahrt zu dem See von Tritriva fortsetzen. Eine spektakuläre Landschaft führt zu diesem Kratersee voller Mythologie. Den Berg von Tritriva nimmt man schon unterwegs von dem Dorf Belazao aus wahr. Man kann bis zum Ufer des Sees mit dem Auto fahren. Der vulkanische Kratersee ist nach einem tiefen und eindrucksvollen Erdrutsch entstanden. Eingenistet in einem kleinen Hohlraum einer Höhe von 1881 m sind die Wände von Tritriva sehr abrupt. Die Felswand am Ufer des Sees ermöglicht einen wunderschönen aber auch schwindelerregenden Blick auf den ganzen See. Wegen seiner Tiefe von ca. 160 m hat der See eine sehr dunkle grüne Farbe. Hinsichtlich des Sees werden so viele Legenden und Mythen erzählt, dass er fremdartiges Gefühl hervorruft.

Eine Bergwanderung führt 1651m hinauf auf den Berg Ivohitra. Der Bergwanderer erfreut sich eines schönen Panoramablicks auf die vulkanischen Landschaften des Hochlandes sowie auf die Stadt Antsirabe und ihre Umgebung.

Langeweile ist in Antsirabe ausgeschlossen. Wegen der handwerklichen Begabung und des Fleißes der Einheimischen werden hier Produkte und Gegenstände aller Arten handwerksmäßig hergestellt. Viele kleine Werkstätten kann man während eines Aufenthaltes in Antsirabe besichtigen, darunter einen Familienbetrieb, der lokale Süßigkeiten namens „ Bonbon gasy, madagassische Bonbons“ herstellt. In der Rikschastadt werden auch kleine Fahrzeuge wie Miniaturikschas und Miniaturautos aus Blechdosen gefertigt. Man kann bei „ Atelier Mamy“ vorbeikommen, um dieses Kunstwerk gezeigt zu bekommen. In der Werkstatt der fünf Brüder wird an Zebuhörnern gearbeitet, um Souvenirgegenstände, Salatbestecke etc. zu fabrizieren. Flechtarbeiten und Seidentücher sind ebenfalls übliche Produkte von kleinen Familienunternehmen, die sich über jeden Besuch freuen. Antsirabe ist für den Reichtum an Schmucksteinen bekannt. Man kann vor Ort eine Steinschleiferei besichtigen, um sich einen Überblick über die Schmucksteine von Antsirabe zu verschaffen.