Fianarantsoa

Wo das Gute unterrichtet wird

Der Name Fianarantsoa bedeutet „ Wo das Gute unterrichtet wird“. Der Name sei darauf zurückzuführen, dass den einheimischen Betsileo Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit unterrichtet werden sollten. Erbaut im Jahre 1830 von der Königin Ranavalona I nach dem Modell von Antananarivo erhebt sich die Stadt auf einem Hügel. Wie Antananarivo hat Fianarantsoa in der Unterstadt einen künstlichen See. Im Laufe der Jahre hat sich der Volksstamm der Betsileo den guten Ruf erarbeitet, fleißige und höfliche Menschen zu sein. Die Jesuiten Missionare scheinen ihre Aufgabe erfüllt zu haben. Ihre Devise „ ora et labora“ ist bei den Betsileo auf fruchtbaren Boden gefallen.

Darüber hinaus sind die Einheimischen für ihre starke Neigung zum Langereden bekannt. Jeder Anlass wird genutzt langatmige Ansprachen zu halten. Ein Begrϋβungsritual kann bei den Betsileo eine Viertelstunde dauern, wenn nach dem Wohlsein aller Familienmitglieder gefragt wird. Wahrend man im Hochmadagassischen zwanzig Wörter benutzt, beschreiben die Betsileo die gleiche Situation mit ca. fünfzig Wörtern. Diese rhetorische Zuneigung hat im Laufe der Jahre den Alltag der Betsileo geformt. In der Geschichte dieser Bevölkerungsgruppe hat die Rhetorik immer eine wesentliche Rolle gespielt. Die damaligen Herrscher der Region waren alle großen Redner, unter ihnen der große König der Betsileo Andriamanalina.

Dank der jesuitischen Mission ist Fianarantsoa die Stadt der tausend und eine Kirchen geworden. Wie jede katholische Stadt, die sich respektiert, gehört eine imposante heilige Statue auf einen Hügel. Für manche gehört sie zu den Sehenswürdigkeiten sowie für andere zu den „Sehensmerkwϋrdigkeiten“ der Stadt. Trotz des Fleißes der Jesuiten und der unübersehbaren Anwesenheit des Christentums in der Stadt, ist ein beträchtlicher Teil der Einheimischen der Religion ihrer Ahnen, dem Ahnenkult, treu geblieben.

Neben der katholischen Kirche verbreiten sich in Fianarantsoa auch andere konfessionelle Einrichtungen. Etwa fünfzig religiöse Bewegungen sind in der Stadt eingetragen. Die Stadt beherbergt drei theologische Schulen: je eine lutherische, evangelische und katholische theologische Schule. Es ist wichtig für die drei genannten Religionen die Oberstadt zu besitzen. Die Kirchendichte an diesem Ort ist außergewöhnlich hoch. Aus diesen Gründen wird Fianarantsoa als fromme Stadt genannt. Der Erzbischof von Antananarivo , Odon Marie Arsen Razanakolona, ist ein eingeborener Betsileo aus Fianarantsoa. Er hat sich während der politischen Unruhe 2009 wegen seiner unverständlichen Stellungnahme für die Putschisten unbeliebt gemacht.

Nicht weit von Fianarantsoa liegt Soatanana, das weiße Dorf. Der Weg nach Soatanana nennt sich wegen Weinberge „ Die Weinroute“. Gegründet im 19.Jahrhundert von einem Missionar, der das Dogma der apostolischen Kirche verkündet hat, leben die Bewohner dieses Dorfes wie die alten Apostel Jesu Christi. In großer Gemeinschaft wird im Dorf alles mit allen „Brüdern“ geteilt. Sie kleiden sich ausschließlich in weiße Kleider. Wer diese charismatische Bewegung des madagassischen Christentums kennen lernen möchte, sollte die Weinroute einschlagen.

Die Unterstadt in Fianarantsoa ist ein Handelsviertel. Schulgebäude verteilen sich in diesem Teil der Stadt. Der Hauptbahnhof von Fianarantsoa befindet sich in der Unterstadt. Fianarantsoa ist reich an landwirtschaftlichen und handwerklichen Produkten. Leider hat sich die Industrialisierung solcher Produkte nicht entwickelt. Die Ortsansässigen scheinen sich eher für die Dienstleistungsbranche zu interessieren. Wegen des Mangels an Industrien haben sich viele Einwohner von Fianarantsoa in intellektuelle Tätigkeiten wie Richter und Rechtsanwalt umgestellt. An der Universität von Fianarantsoa kann man Jura studieren.

Seit der Gründung des Nationalparks von Ranomafana haben die Stadt und die ganze Region einen neuen Trumpf in der Hand. Der naturverträgliche Tourismus leistet sowohl zum Schutz der einmaligen Natur der Region als auch zur Förderung der lokalen Wirtschaft einen wichtigen Beitrag. Ranomafana war zur Kolonialzeit dank ihrer Thermalquelle bekannt.

Fianarantsoa ist der Ausgangspunt für die Besichtigung der Weinberge und Weinkeller von Isandra und Famoriana. Die Teeplantage von Sahambavy ist insofern interessant, als dies der einzige Ort Madagaskars ist, wo Tee angebaut wird. Was die kulinarischen Spezialitäten angeht, können die Feinschmecker unter anderem den bekannten Käse von Ivoamba kosten.

Ein Spaziergang in die Oberstadt ist ohne Gefahr lohnend, zumal die kleinen Treppen und Pfade weniger anstrengend sind und die Luft wesentlich sauberer ist als in Antananarivo. Umso angenehmer können Sie Ihren Tag mit diesem Spaziergang verbringen. In der Altstadt hat man einen schönen Blick auf die Unterstadt.

Auf dem Fluss von Mahatsiatra kann man einen Ausflug mit einer Piroge unternehmen. Nach einem erfrischenden Bad wartet ein Picknick an einem idyllischen Platz auf Sie. Abschließend können Sie aufbrechen zur Erkundung der Höhle von Mitongoa.