Mantasoa

Es ist roh, aber es ist trotzdem gut

 

Mantasoa bedeutet wortwörtlich in der einheimischen Sprache „Es ist roh, aber es ist trotzdem gut“. Sie liegt 70 km nordöstlich von Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars. Das Zentralhochland Madagaskars steht nicht nur wegen des Klimas, sondern auch wegen des bergigen Reliefs im Kontrast zu den anderen geologischen Formationen der Insel. Mantasoa gehört zweifellos zu den Ortschaften des Zentralhochlandes, die einen kurzen Abstecher verdient. Geographisch bildet Mantasoa mit dem steilen Abhang von Angavo die Grenze zwischen dem Hochland und der Ostregion. Ein kleiner Ausflug in diese Gegend voller Charme ist lohnend.

Die Zeit ist mit dem 19.Jahrhundert in Mantasoa stehen geblieben. Wer sich für eine authentische madagassische Stätte des 19.Jahrhunderts interessiert, kommt in Mantasoa auf seine Kosten. Reste und Ruinen von industriellen Einrichtungen dieser Epoche bezeugen die blühende Wirtschaft der Region zu dieser Zeit. Hinter dem Erfolg von Mantasoa steht der französische Architekt und Industrielle Jean Laborde. Die drei wichtigsten Attraktionen vor Ort sind der künstliche See, das von Laborde gegründete industrielle Gebiet und sein Grab, das er „Soamandrakizay“ benannt hat. Um Mantasoa besser erfassen zu können, ist es notwendig, den Schöpfer dieser herrlichen Werke näher kennen zu lernen. Jean Laborde war ein französischer schiffbrüchiger Abenteurer, der wegen seines Talents geschickt in die Nähe der Königinnen geschlichen ist. Zu seiner Zeit gehörte er zu den wichtigsten Persönlichkeiten der madagassischen Monarchie. Er soll sogar der Geliebte der Königin Ranavalona I gewesen sein. Der französische Kaiser Napoleon III ernannte ihn aus politischen Gründen zum ersten Konsulaten Frankreichs in Madagaskar. Seine Mission bestand einerseits darin, England bei einer Eroberungsambition in die Parade zu gehen. Auf der anderen Seite war er für Frankreich ein Bahnbrecher der anstehenden Kolonialisierung Madagaskars.

Jean Laborde war ein einflussreicher Mann der Merina Monarchie des 19.Jahrhunderts. Wegen seines Könnens und Charmes stand er bei der Königin Ranavalona I hoch in der Gunst. Als höfischer Architekt ließ er den Königinpalast in Antananarivo erbauen. Er war Gründer der königlichen Waffen-und Pulverindustrie und Zeitgenosse der drei Königinnen Ranavalona I, Ranavalona II, Ranavalona III und des berühmten Regierungschefs Rainilaiarivony.

Wie oben erwähnt ist der See von Mantasoa ein künstlicher See, der im Jahre 1937 durch den Bau eines Staudamms entstanden. Er kann bis zu 110 Mio Kubikmeter Wasser aufnehmen und dient dazu, das Wasserniveau von Ikopa zu regulieren. Der See steht im Mittelpunkt aller Sehenswürdigkeiten von Mantasoa. Nach seiner Entstehung hat sich Mantasoa ein neues Gesicht und einen guten Ruf für den Tourismus erworben. Mantasoa ist weiterhin dank der Mitwirkung vieler kleiner Täler ein gutes Wasserreservoir. Der See hat deswegen sowohl natürliche Charakterzüge als auch künstliche Aspekte, was zugleich seine entzückende und einmalige Schönheit ausmacht.

Auf dem See kann man angenehme Ausflüge mit dem Schnellboot unternehmen. Auch andere Aktivitäten des Wassersports lassen sich problemlos betreiben. Von Dezember bis April ist das melodiöse Zikadenkonzert in den umliegenden Bäumen nicht zu überhören. Der Pinienwald, in dem sich die Zikaden in der Regenzeit fortpflanzen, wird zu dieser Zeit von starken Düften berauscht.

Nach dem See können Sie die zwei letzten Sehenswürdigkeiten Mantasoas besichtigen: Das Grab von Jean Laborde und seine alte Pulverfabrik.

Die Industrieanlagen Jean Labordes sind auf Wunsch der Königin Ranavalona I in Nähe des Sees errichtet worden. Die Industriezone ist genauso faszinierend wie der See selbst. Wegen der komplizierten Struktur und ihrer monumentalen Größe ist der große Aufwand vorstellbar, mit dem Jean Laborde die Einrichtungen errichten ließ. Die Anlage besteht aus mehreren Teilen, wie der Porzellanabteilung, der Abteilung zur Kanonenherstellung und den Hochöfen für die Eisengießerei. Neben den großen Abteilungen sind auch kleine Werkstätten zur Herstellung von Gewehren, Schwertern und Munition entstanden.

Mitten in dieser kreisförmigen Industriezone erhob sich damals die Sommerresidenz der Königin Ranavalona I. Im Gegensatz zur Sommerresidenz lag das Holzhaus Jean Labordes nördlich der Fabriken.

Mantasoa war wegen der großen Vorkommen an Eisen und Holz ein optimaler Ort für die Industrie. Diese industrielle Zone von Mantasoa stellte im 19.Jahrhundert in einem Land wie Madagaskar ein einmaliges Wunder dar. Mit den originalen Materialen erbaut überstanden einige der Werke nicht die Zeit. Als die Königin Ranavalona I den geheimen Plan Frankreichs enthüllt hatte, wurden alle Ausländer von der Insel verbannt. Jean Laborde floh auf La Réunion. Heutzutage kann man noch die Ruinen des Hochofens, des Ofens für die Zementherstellung, den Brennofen der Töpferei, den Kalkofen und die Werkstatt der Eisengießerei sehen. Im Jahr 1895 wurde der Schatz Labordes an die fleißigen Jesuiten nicht nur wegen der Verbreitung des Evangeliums, sondern vor allen wegen ihres entscheidenden Beitrags zur Eroberung Madagaskars übergeben.

Um Ihren Besuch abzuschließen, ist das Grab von Jean Laborde sehenswert. Er hat es zu Lebzeiten erbaut und es „ Soamandrakizay“, „ das ewige Glück“ benannt. Viele Hotels guten Standards sind im Laufe der Jahre in Mantasoa gebaut worden, um Ihnen einen angenehmen und erholsamen Aufenthalt in dieser abgelegenen Oase des Friedens zu gewährleisten.