Maroantsetra

wo viele Schwerter sind

Maroantsetra, das auf Deutsch „ wo viele Schwerter sind“ bedeutet, ist eine Stadt im Nordosten Madagaskars. Sie liegt zwischen dem Meer und einem üppigen feuchten tropischen Wald am Ende der Bucht von Atongil. Erbaut auf einem unfallträchtigen Relief erhebt sich die Stadt zu einer Höhe zwischen 0 m und 1311 m.

Maroantsetra gehörte früher zu der Provinz von Toamasina. Seit einigen Jahren ist Maroantsetra in einen größeren Verwaltungsbezirk mit dem offenkundigen Namen Analanjirofo, „im Nelkenbaumwald“, angegliedert. Man befindet sich in Maroantsetra in einer Region, wo Gewürze und aromatische Pflanzen berauschen können.

Der Alltag in Maroantsetra folgt dem Zyklus der Vanillekultur bzw. anderer Gewürze und aromatischen Pflanzen. Ein Zyklus besteht im Anpflanzen, in der Pflege, in der Ernte und vor allem im Handeln. Im relativ kleinen Stadtzentrum werden in vielen kleinen Geschäften bunt gemischte Waren verkauft.

Wie in vielen Städten Madagaskars lebt es sich friedlich in Maroantsetra. Das ermöglicht einen geruhsamen Aufenthalt in dieser ursprünglichen Stadt. Wegen des tropischen Klimas ist die Natur in Maroantsetra sehr lebendig und üppig. Der Kontrast zwischen der ländlichen Atmosphäre in Maroantsetra und der Hektik der Großstadt ist verblüffend.

Unter Kokospalmen sitzend werden Sie von dem zarten Wind des Ozeans gestreichelt. Genießen Sie das Rauschen der großen Wellen, die in regelmäßigem Abstand an die Küste branden. Die Bucht von Atongil spielt darüber hinaus eine bedeutende Rolle in der Geschichte Madagaskars, denn alte archäologische Funde bestätigen die These, dass Maroantsetra ein Landungsort der frühen Einwanderer aus Südostasien gewesen sein muss.

Das Wetter in Maroantsetra hat den Ruf sehr launisch zu sein. Man muss jeder Zeit mit Regen rechnen. Auch wenn es oft nicht um dauerhaften Regen geht, beträgt die Niederschlagsmenge doch 3000 bis 4000mm im Jahr. Das Klima in der Bucht von Atongil ist tropisches feuchtes und heißes Klima, das für den Osten Madagaskars typisch ist. Maroantsetra gehört zu den feuchtesten Gebieten Madagaskars. Dank der günstigen klimatischen Voraussetzungen gedeiht in Maroantsetra und Umgebung ein dichter Wald von vielfältiger Biodiversität. Der Masoalawald ist einer der reichsten Wälder der Insel. Im Gegensatz zu anderen Regionen, wo die Waldzerstörung galoppierend immer mehr an Boden gewinnt, wird Maroantsetra davon verschont. Im Masoalawald ist noch Primärwald erhalten geblieben.

Der Masoala Nationalpark ist das größte Naturreservat Madagaskars. Der vorherrschende Küstenregenwald erstreckt sich auf einer Fläche von 2000 km² und wird von ANGAP verwaltet. Das Meer mit den umliegenden Sumpf-und Mangrovengebieten von Tampolo, Ambodilaitry und Ifaho bildet ein Schutzgebiet von 100 km². Wegen der herrlichen Unterwasserwelt an den Korallenriffen muss das Meer und seine unmittelbare Umgebung geschützt werden. Zehn Lemurenarten leben im Masoala Nationalpark. Der Rote Vari mit strahlend rötlichem Fell, Varecia rubra, kommt nur in diesem Park vor.

Eine der Sehenswürdigkeiten dieser Gegend ist auch die Halbinsel Mangabe, die 5 km von Maroantsetra entfernt liegt. Schon während der Kolonialzeit wurde die Halbinsel als Schutzgebiet erklärt. Nach der Unabhängigkeit Madagaskars hat Nosy Mangabe den Status eines Naturreservates erhalten. Wegen der Gräber der einheimischen Antimaroa im Wald von Mangabe spielt dieser Regenwald für die Einheimischen eine wichtige kulturelle Rolle.

Das Fingertier Aye aye ist mit Sicherheit der mystischste Lemur Madagaskars. Wegen seines erschreckenden Aussehens, der großen Ohren und Augen, des struppigen Fells und des überdimensional langen Fingers haben die Einheimischen Angst vor dem Aye aye. Der überlieferte Aberglaube verflucht das Tier, weil es Unglück bringe und wird daher verjagt. Aus diesen Gründen wurde das Aye aye im Naturreservat von Mangabe angesiedelt. Trotz der Tatsache, dass das nachtaktive Aye aye nun in Frieden und geschützt auf dieser Halbinsel lebt, ist es nur selten anzutreffen. Im Gegensatz dazu findet man endemische Plattschwanzgeckos, Uroplatus fimbriatus, in Hülle und Fülle auf Mangabe, was auf das Fehlen von Raubtieren zurückzuführen ist. Der Schwarz-weiß Vari, Varicia variegata und der Mausmaki, Microcebus murinus, sind recht häufig zu beobachten. Der Große Taggecko, Phelsuma masoalensis, ist eine endemische Art für Masoala.

Botanisch ist Masoala nicht weniger interessant. Die endemischen Kannenpflanzen, Nepenthes masoalensis, gedeihen ausschließlich in hier.

Vor der Okkupation Frankreichs waren schon andere Europäer in Madagaskar gewesen. Im 16.Jahrhundert hatten Portugiesen und Holländer den Anker in der Bucht von Masoala ausgeworfen. Es waren Geschäftsleute, die sich für die Edelhölzer Masoalas interessiert hatten. Alte holländische Schriften lassen sich heute noch auf Mangabe lesen.

Maroantsetra ist mit Antananarivo durch 90 minütige Flüge verbunden. Vor der Landung wird die bekannte Bucht von Atongil oder das Kap Masoala überflogen.

Für die Abenteuerlustigen besteht die Alternative, Maroantsetra mit einem kleinen Boot über Toamasina zu erreichen. Liebhaber des höheren Adrenalinspiegels können versuchen Maroantsetra auf der Nationalstraße 5 entlang der Ostküste mit dem Auto bzw. Motorrad zu erreichen. Diese Route ist leider nur auf eigenes Risiko zu empfehlen.