Morondava

Hauptstadt von Menabe

 

Morondava ist die Hauptstadt des Volksstammes der Sakalava von Menabe, einer der stärksten Bevölkerungsgruppen Madagaskars.

700 km von Antananarivo entfernt liegt Morondava an der südwestlichen Küste Madagaskars. In Antsirabe verlässt man die Nationalstraße 7 und biegt nach Morondava ab. Innerhalb von sechs Stunden kommt man in der Hafenstadt am Rande des mozambischen Kanals an. Aus einem Fischerdorf ist im Laufe der Jahre die Hafenstadt Morondava geworden. Seit einigen Jahren muss die Stadt gegen das Meer kämpfen. Tatsache ist, dass das Meer in 150 Jahren ca. 2 km des Festlandes weggefressen hat.

 

Die Sakalava von Morondava leben vom Fischfang und der Landwirtschaft sowie vom Pflücken natürlicher bzw. wilder Produkte wie Blätter von Bastpalmen, dem Sammeln von Holz und Wildhonig. Typisch in den kleinen Läden von Morondava ist die von den Einheimischen genannte Wachsplatte Lasira. Der Ertrag solcher Produkte gewährleistet den Kauf von Lebensmitteln in den indopakistanischen Läden namens „Dokany“. Inder und Pakistani dominieren die Handelsbranche in diesem Teil des Landes.

Zwei Religionen treffen in Morondava friedlich aufeinander: Der relativ tolerante sunnitische Islam und die konservative lutherische Kirche. Diese Konstellation sorgt für eine scheinbare fromme Atmosphäre in der Stadt. Sobald man hingegen die Stadt verlässt, herrscht im Hinterland eine andere Stimmung. In den kleinen umliegenden Dörfern gehört der Spaß und die Freude am Leben zum Alltag. Trinken, Singen, eine Party feiern sind nach der Arbeit ein unverzichtbarer Bestandteil des Tages.

Die Sakalava haben ihre Sitten und Bräuche bewahrt, weshalb Morondava höchst attraktiv ist. Die Königlichen Gräber der Sakalava ziehen viele Touristen an. Sie zählen zu den Attraktionen der Stadt. Leider gehören schon viele der originellen Gräber seit einigen Jahren der Vergangenheit an, da sie in den letzten Jahren wegen ihrer Grabstelen Opfer skrupelloser Schwarzhändler geworden sind. Die Grabkunst und das Bestattungsritual der Sakalava sind faszinierend. Die Beziehung zwischen den Verstorbenen und den Lebenden ist bei ihnen von alltäglicher Präsenz.

Die verstorbenen Könige sind mit den Lebenden in enger Beziehung verbunden, da sie als Vermittler zwischen dem irdischen Leben und dem Jenseits amtieren. Aus diesem Glauben ist das „ Tromba“ oder der „ Kult der Besessenheit“ zu verstehen. Ein verstorbener König nimmt so eine Person in Besessenheit, um eine Botschaft zu überbringen.

Die ursprünglichen Gräber sind zum groessten Teil aus Holz gefertigt. Die königlichen Gräber beinhalten die königlichen Reliquien. Das Besondere an den Gräbern ist das Dekor aus vielen kleinen geschnitzten Holzstatuen. Die dargestellten Szenen entsprechen einerseits dem Lebensstil des Verstorbenen, andererseits werden auch seine unerfüllten Wünschen und Ambitionen durch die kleinen Statuen dargestellt. Erotische Figuren sind besonders beliebt. Eine schnelle Interpretation ist jedoch irreführend. Dieser Brauch hat nichts mit unbändiger Erotik zu tun, sondern ist für die Sakalava eine besondere Art und Weise den Tod auszulachen.

Ein wichtiges Grabmotiv, das man immer an einem Sakalava-Grab findet, sind zwei frontal sich paarende Vögel, die „ Mijoa“ oder die heiligen Ibisse. Das gleiche Motiv findet man an Gräbern auf Borneo. Früher konnte man noch einige königliche Gräber wie die Gräber von Mahabo, Mangily, Ambato sur Mer, Kivalo, Lovobe und Maneva besichtigen. Einige Gräber sind nur in der Trockenzeit zugänglich, andere kann man nur mit einem Einbaum erreichen. Wegen Diebstahlgefahr bleiben heute viele Gräber für die Öffentlichkeit geschlossen. In den letzten Jahren sind unzählige Grabstelen in europäischen und amerikanischen Museen gelandet.

Nachdem die Gräber der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich sind, haben sich die Schmuggler dem Reptilenhandel zugewendet. Überlebensfähige kleine Landschildkröten aus der Gegend von Morondava wurden schon mehrmals im Gepäck ausländischer Reisender beschlagnahmt.

Die bekannte „Baobaballee“ bzw. „Baobabstrasse“ ist eine der meist fotografierten Landschaften Madagaskars. Postkarten, Briefmarken, Gemälde und Geldscheine ehren die Schönheit der einmaligen Baobabstrasse. Sie liegt an der Nationalstraße 35 in Richtung Belo am Tsiribihina ca. 20 km von Morondava entfernt. In Madagaskar gedeihen 7 Baobabarten, die bis zu tausend Jahre alt werden können. An der Baobabstrasse wächst die Art Adansonia grandidieri.

Die gelben Blüten der Baobabs, die rötlichen Stämme dieser alten Riesenbäume, die rote Lateriterde an der Baobaballee, die lilablauen Blüten der Wasserhyazinthen und die vorbeifahrenden Rinderkarren sorgen bei Sonnenuntergang für eine atemberaubende Stimmung. Hinter der Baobabstrasse rund 60 km von Morondava entfernt, befindet sich die Waldstation von Kirindy. Im Kirindy-Wald entfaltet sich ein typischer Trockenwald des Südwestens Madagaskars. Die Zusammensetzung der Pflanzen besteht vorwiegend aus endemischen Sukkulenten, die bis heute noch nicht alle registriert sind. In dieser trockenen Vegetation leben zwei tagaktive und zwei nachtaktive Lemurenarten. Eine Übernachtung im Kirindy-Wald bietet eine hervorragende Möglichkeit zur Tierbeobachtung. Zu den seltensten Arten gehören die nur hier vorkommenden ausschließlich nachtaktiven Madagaskar Springratten. Der Höhepunkt während der Nachtwanderung ist die Begegnung mit dem größten Raubtier Madagaskars, der Frettkatze, Cryptoprocta ferox. Die Fossa, die wie ein Puma aussieht, ist der gefährlichste Feind der Lemuren, da sie auf Bäume klettern kann.

Morondava weist ein großes wirtschaftliches Potential auf, da im Becken von Morondava vor einigen Jahren Ölvorkommen gefunden wurden. Einige Lizenzen sind diesbezüglich schon von der madagassischen Behörde ausgestellt worden, damit internationale Firmen sowohl Off-Shore als auch In-Shore mit der Förderung beginnen können. Kanada, England, USA, Norwegen, Japan, China und Frankreich sind hier präsent.

Eine indische Firma zeigt großes Interesse an der Kohle von Sakoa. Wegen der Isolierung dieser Gegend blieb die Kohle bisher unbeachtet. Eine eventuelle Förderung könnte eine Lösung sein für die galoppierende Abholzung des Waldes. Die Gewohnheit der Einheimischen mit Holzkohle zu kochen, ist dem Trockenwald dieser Region zum Verhängnis geworden. Es ist nicht selten, dass Edelhölzer wie Ebenholz unbewusst in den Herden einheimischer Hütten landen.