Toliary

die Stadt, die nie schläft

Die 900 km gut geteerten Straßen des Südens enden in der Stadt Toliary. Diese Stadt liegt am Kanal von Mozambik unterhalb des Wendekreises des Steinbocks.

Über die Nationalstraße 7 durchfahren Sie verschiedene Landschaften Madagaskars, was den Charme der südlichen Route ausmacht. Drei Landschaften unterscheiden sich absolut voneinander. Während man auf dem Plateau von Horombe den Eindruck hat, dass man sich aufgrund der Steppenlandschaft und Zebuherden in Afrika befindet, zeigt sich die Sandsteinformation des Isalo-Gebirges als einmalig und einzigartig. Das durch Wind- und Regenerosion entstandene Gebirge ist ein Highlight der Reise im Süden. Nach dem Isalo-Gebirge sieht man bei dem Dorf Andranomaintso die von der Waldabholzung übriggebliebenen Baobabs. Um den Trockenwald dieser Region zu schützen, hat die Regierung den Wald von Zombitse unter Schutz gestellt und zum Nationalpark erklärt.

Leider leiden sowohl der Dornenwald als auch der Dornenbusch in der Nähe von Toliary unter der unkontrollierten Abholzung zur Holzkohleherstellung. Der zu verkaufende Berg von Holzkohlesäcken steht in einem traurigen Kontrast zu dem immer dünner werdenden Dornenbusch.

Etwa 24 km vor der Küste sieht man schon die relativ große Hafenstadt Toliary. Toliary bedeutet „hier ankern“. Dieser Name ist auf eine Anekdote zurückzuführen, wonach Einheimische zu den Seeleuten bei der Suche nach einem Ankerplatz gerufen haben sollen:

„ Hier ankern“!

Toliary ist die Stadt, die nie schläft. Tagsüber ist es in der Stadt so heiß, dass man nicht besonders unternehmungslustig ist. Man nutzt besser die Nachttemperaturen um auszugehen. Toliary hat für Touristen nichts Besonderes zu bieten. Ifaty und Anakao sind zwei Fischerdörfer am mozambischen Kanal, wo man sich in aller Ruhe in guten Hotels erholen kann.

Die Stadt lebt deshalb nur zum geringen Teil vom Tourismus. Die Fischindustrie hat leider nie ihren Höhepunkt erreicht. Der Handel in Toliary besteht im Wesentlichen im Export von Erdnüssen, Baumwolle und Zeburindern. Das Hinterland lebt zum größten Teil von der Landwirtschaft, wobei in diesem trockenen Gebiet der Boden nicht für alle Kulturpflanzen geeignet ist. Sϋβkartoffeln, Saubohnen und Maniok gehören zu den meist angebauten Produkten. Fast jedes Jahr wird die Bevölkerung des Südens von einer Hungersnot bedroht. Früchte von Feigenkakteen, die dort in Hülle und Fülle wachsen, retten die Bevölkerung vor dem Verhungern. Die Vezo, die entlang der Südwestküste wohnen, leben fast ausschließlich vom Fischfang.

Was die Religion angeht, ist neben dem traditionellen Ahnenkult die lutherische Religion in diesem Teil des Landes stark vertreten. Nach einem Abkommen mit den reformierten Engländern wurde im 19. Jahrhundert der Süden Madagaskars den norwegischen und amerikanischen lutherischen Missionaren zugewiesen. Seit Mitte des 20.Jhd. schießen charismatische bzw. freikirchliche Bewegungen wie Pilze aus der Erde. Trotz dieser starken Anwesenheit des Christentums ist das Nachtleben in Toliary mit vielen Nachtclubs sehr lebhaft. Toliary ist letztendlich die Stadt, die nie schläft.

Toliary besitzt eine Universität, deren Hauptfächer Biologie und Ozeanographie sind. Studenten, die sich für diese Studienfächer interessieren, müssen deshalb nach Toliary umziehen. Die Universität von Toliary hat sich dank ihrer Forschung an der eiweißreichen Alge Spiruline, die in der Region von Toliary angepflanzt wird, einen Namen gemacht.

Vor einigen Jahren sind in der Nähe von Ilakaka Saphirminen entdeckt worden. Diese lebendige Stadt ist seit der Entdeckung der Saphire ein Magnet für die Edelsteinhändler der ganzen südlichen Region. Viele Arbeitslose ziehen nach Ilakaka in der Hoffnung auf eine Lebensverbesserung. Oft fungieren sie als Zwischenhändler zwischen den einheimischen Ausgräbern und den asiatischen Käufern. Thais, Srilankesen, Pakistani und Chinesen sind in diesem Geschäft stark vertreten.

Die Flora von Toliary besteht vorwiegend aus Sukkulenten, wasserspeichernden Pflanzen, die mit der Dürre und den harten Bedingungen dieses trockenen Gebietes zurechtkommen. Baobabs, Dickfußpflanzen, Aloe und Chalankoe gehören zu den meist vertretenen Pflanzenfamilien. Trotz des Mangels an Wasser wird von den Einheimischen Viehzucht betrieben, denn Ziegen, Schafe und vor allem Zebus sind im Süden Symbol für den sozialen Status. Im südlichen Teil sieht man entlang der Nationalstraße 7 auf Gräbern häufig Zebuhörner. Die Antandroy- sowie die Mahafaly-Gräber werden mit Zebuhörnern geschmückt. Die Grabkunst dieser zwei Bevölkerungsgruppen ist von besonderer Originalität. Außer den Zebuhörnern sieht man Stelen, die sowohl dem Leben des Verstorbenen entsprechen als auch seine Fantasie und Wünsche offenbaren. Die bunte Wandmalerei ist kennzeichnend bei den Antandroy und Mahafaly.

Etwa 8 km von Toliary entfernt liegt das kleine Dorf Miary, ein königliches Dorf für die Masikoro, einem wichtigen Volksstamm des Südens. Ein kurzer Ausflug zu dem dortigen heiligen Banyan ist lohnend. Am Fuß dieses riesen Baumes bringen Einheimische auch heutzutage noch Opfer dar. Alles, was alt ist, wird generell von den Madagassen für heilig gehalten.

Nordoestlich von Toliary liegt die heilige Grotte von Sarodrano. In einem Becken wird Süßwasser gespeichert, in dem Fische leben. Die Einheimischen machen gerne einen Ausflug mit der Familie an diesen Ort.

Pflanzenliebhaber können die endemischen und medizinischen Pflanzen des Südens im Botanischen Garten von Antsokay kennen lernen. „Das Arboretum“ liegt ca. 10 km nördlich von Toliary.